🌕 Mondbrief 6 – zum Erdbeermond im Juni

Die letzten Junitage. Die Hitze steht in den Wiesen, und an den Waldrändern, dort wo der Schatten beginnt, linst verborgen unter dem dunklen Laub ein purpurrotes Köpfchen hervor — wie ein Geheimnis, das sich just in diesem Moment für dich offenbart.

Die Walderdbeere. Erst wenn man sie zum Mund führt, entfaltet sich dieser Duft, dem niemand widerstehen kann — süß und verführerisch wie ein verbotener Kuss aus Tausendundeiner Nacht.

Sie ist nicht die große, glänzende aus dem Beet, die man sät und pflegt und erntet. Die Walderdbeere sät niemand. Sie wächst, wo sie will — am Wegrand, an der Böschung, unter den Blättern versteckt.

Man begegnet ihr, wie man manchen Menschen begegnet: ohne Suchen, ohne Plan. Nur ein paar Tage trägt sie ihre Süße. Dann ist sie wieder fort. Was bleibt, ist der Geschmack auf der Zunge und das Wissen, wo sie stand.

Der Vollmond Ende Juni heißt seit alters her Erdbeermond, manche nennen ihn auch Honig oder Heumond, es ist der Mond der Fülle. Die Zeit der Reife, in der sichtbar wird, was über die langen Tage gewachsen ist.

Vielleicht beschäftigen uns gerade jetzt manche Menschen, die uns begegnet sind. Solche, zu denen es uns hinzog, ohne dass wir es erklären konnten. Manche kamen wie ein Geschenk in unser Leben. Manche kamen als Lektion. Und meist erkennen wir erst viel später, was von beidem es war — wenn überhaupt. Aber was wir jetzt vielleicht gereift ist, ist die Gewissheit zu erkennen was ist.

Lektionen sind nicht, um uns zu schaden, sondern um zu schärfen, wofür unsere Sinne noch keine Antworten hatte.

Nicht jeder, der uns in seinen Bann zieht, ist dazu bestimmt, zu bleiben. Mancher kommt, damit wir wieder vertrauen lernen. Ein anderer, damit wir spüren, wie kostbar unser Herz ist und dass es nicht zu schnell zu verschenken ist. Und mancher begegnet uns, ohne dass wir je verstehen werden, warum gerade jetzt …

Wie bei der wilden Beere liegt es nicht in unserer Hand. Was uns am Wegrand begegnet, können wir nicht beeinflussen und auch nicht festhalten. Aber wir dürfen uns hingeben, solange es da ist, dürfen es schmecken in all seiner Süße. Und wir tragen das Lächeln wie ein Kleeblatt im Portemonnaie mit uns, auch wenn der Mensch längst seiner Wege gegangen ist.

Manche Verbindungen scheinen bleiben zu wollen, sie kreuzen immer wieder unseren Weg … vielleicht um uns zu finden, weil sie ein Teil unseres Weges sind.

Ein alter Mann fragte mich einmal:
„Weißt du, warum der Mond so viele Krater hat?“

Ich schüttelte den Kopf. Er lächelte und sagte:
„Weil die Menschen ihm seit Anbeginn der Zeit ihre Gedanken, Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte und Tränen anvertrauen. Jede leise Bitte hat einen kleinen Abdruck hinterlassen – bis sein Gesicht zu dem wurde, das wir heute kennen.“

Ob das wahr ist? … Ich weiss es nicht….. aber ich mag den Gedanken immer noch.

Vielleicht liegt das Geheimnis darin, den Unterschied zu erkennen oder spüren, was zum Festhalten und was zum Loslassen bestimmt ist.

Wenn der Erdbeermond am Abend des 30. Juni über den Feldern aufsteigt, schenke deinen Gedanken einen stillen Moment.

Hältst du etwas fest, das längst nicht mehr zu dir gehört?

Oder fühlst du dich vom Loslassen angezogen, hast aber im Moment weder Kraft noch Mut?

Dann bedenke die Worte alter Weiser … Manches beantwortet das Leben nicht mit Worten. Sondern mit der Zeit.

🌕🍓

Mögest du erkennen, was zu dir gehört. Mögest du Frieden finden mit dem, was weiterzieht. Und mögest du den Mut haben, das zu halten, was wirklich ein Teil deines Weges ist. Und was vergeht, möge dir bleiben wie der Geschmack einer wilden Beere — oder das Kleeblatt im Portemonnaie, egal wie… immer eine warme Erinnerung.

Und wie immer, die gesetzlich vorgeschrieben Hinweise & AGBs!

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