Wie Akupunktur, Ayurveda und TCM mich zurück zum mir führten
Es war der neue, sympathische Orthopäde in der alten Praxis, der mir die Tür zur TCM öffnete. Er kannte meine Karteikarte, wusste, dass ich keine Spritzen und Tabletten mehr wollte, und schlug mir warmen Herzens stattdessen Akupunktur vor. Er war der alternativen Medizin sehr zugewandt, und ich ließ mich gerne darauf ein – offen, neugierig, ohne Vorbehalte.
So lag ich also da, mit vielen Nadeln „versorgt“, Kopfhörer auf den Ohren, und zählte innerlich die Minuten. Manche Nadeln waren unangenehm, und ich hoffte, dass die dreißig Minuten schnell vergehen würden. Nach der ersten Anwendung konnte ich kaum etwas dazu sagen – vielleicht nur, dass ich etwas ausgeruhter war. Aber wer ist das nicht nach einer halben Stunde Liegen mit Entspannungsmusik. Bis zur dritten oder vierten Sitzung blieb das so. Und dann änderte sich etwas, ohne dass ich hätte sagen können, was genau.
Wieder lag ich da, Malte Marten im Ohr, und redete mir zu: Genieß doch einfach die kleine Auszeit. Und dann, ohne Vorwarnung, kullerten Tränen über meine Schläfe – erst leise, dann mehr, obwohl ich gar nicht traurig war. Sie liefen regelrecht aus mir heraus, meine Haare wurden nass, und ich beobachtete mich selbst dabei mit einer Mischung aus Befremden und einem leisen Schmunzeln. So theatralisch hatte ich mich selten gefühlt. Aber es hörte nicht auf. Und irgendwo in diesen nassen Minuten hörte ich auch auf, es aufhalten zu wollen, und sprach innerlich mit mir: Hallo Körper – wenn du ein Ventil brauchtest, dann hast du jetzt eins gefunden.
Seitdem gab es viele weitere Anwendungen, und meistens fühlte ich mich nach der dritten oder vierten Sitzung leicht, unbeschwert und voller Energie. In Kombination mit Ernährung, Einstellung, Natur und Bewegung war das mein größtes Geschenk.
Der Weg zurück zur Natur
Ich kaufte ich mir Die chinesische Apotheke von Georg Weidinger, dann noch ein Buch und noch ein und… dann eins über Ayurveda, über Öle, Fette, ätherische Essenzen – und begann, das alles im Ganzen zu betrachten. Diese Einheit, die wir als Menschen ergeben. So individuell jeder Einzelne auch ist, so gleich sind wir uns zugleich: Die Bedürfnisse, die Lebewesen hatten und haben, sind im Kern immer dieselben. Nur die Umstände ändern sich.
Und anders als mein kleiner Magnolienbaum, der sich über Jahre geduldig an ein raues Klima anpasst, können wir Menschen uns eben nicht an alles anpassen – nicht an Plastik und Synthetik, nicht an ein Leben gegen den Rhythmus der Natur, nicht an Massentierhaltung, Monokultur und Ausbeutung.
Irgendwann bleibt einem nur eines: es für sich und die eigene Umwelt anders zu machen. Redlich zu leben, respektvoll gegenüber dem Leben, anzunehmen, was ist, statt immer weiter zu wollen. Denn der Ast, der die Früchte trägt, kann brechen – und Konzerne, die ihre Erträge steigern müssen, vergessen das gerne.
So kehren wir zurück zu dem, was Menschen vor Tausenden von Jahren bereits wussten: zum Wesentlichen, zur Achtung, zur Dankbarkeit. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.
Ayurveda und TCM: Zwei alte Systeme, die im Heute wirken
Stell dir vor, dein Körper ist wie ein Haus. Ayurveda und die Traditionelle Chinesische Medizin helfen dabei, dass darin alles harmonisch läuft – nicht mit Chemiekeulen, sondern mit Natur, Ernährung und Lebensstil.
- Ayurveda fragt: Welcher Typ Mensch bist du?
- TCM prüft: Fließt deine Energie rund?
Beide sehen Krankheit als Ungleichgewicht, nicht als Feind. Und beide haben diese Überzeugung über Jahrtausende bewahrt.
Zwei Systeme, zwei Wurzeln – und eine gemeinsame Sprache
Ayurveda entstand in Indien mit den Veden um 5000–3000 v. Chr., zunächst mündlich überliefert, später festgehalten in Texten wie der Charaka Samhita. Die TCM entwickelte sich in China ab etwa 2000–1700 v. Chr., ihr Grundlagenwerk, das Huangdi Neijing, entstand um 200 v. Chr.
Ayurveda ist damit älter – und hat die TCM über den Buddhismus sogar mitgeprägt.
Und wenn man beide Systeme nebeneinanderhält, fällt schnell auf: Sie sind sich erstaunlich ähnlich.
- Beide sprechen von Energiepunkten und Kanälen – Meridiane oder Nadis.
- Beide kennen Elemente, denen Organe, Emotionen und Jahreszeiten zugeordnet sind.
- Beide arbeiten mit Qualitäten wie Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit.
Ayurveda ist vedisch-spirituell, TCM daoistisch-energetisch – aber die Grundfrage ist dieselbe: Was bringt den Menschen aus seinem natürlichen Gleichgewicht, und wie findet er zurück?
Gemeinsame Kernprinzipien von Ayurveda & TCM – und wo du dich selbst findest
1. Dein Grundklima: Wärme oder Kälte
Beide Systeme beginnen mit der Frage: Bist du ein Wärme‑Mensch oder ein Kälte‑Mensch?
- Du frierst schnell → Ayurveda: Vata/Kapha, TCM: Yang‑Schwäche
- Du verträgst Hitze schlecht → Ayurveda: Pitta, TCM: Yin‑Schwäche/Hitze
- Du fühlst dich schnell schwer/kalt → Ayurveda: Kapha, TCM: Kälte/Feuchtigkeit
→ Wenn du weißt, welches Klima dir guttut, findest du dich in beiden Systemen wieder.
2. Dein Tempo: schnell oder ruhig
Beide Traditionen beobachten dein Grundtempo:
- schnell, kreativ, unruhig Ayurveda: Vata TCM: Qi‑Mangel, Yin‑Mangel, Wind
- fokussiert, feurig, direkt Ayurveda: Pitta TCM: Hitze, Leber‑Feuer
- ruhig, beständig, langsam warm werdend Ayurveda: Kapha TCM: Feuchtigkeit, Schleim, Yin‑Überschuss
→ Dein Tempo zeigt, welche Energie bei dir dominiert.
3. Wo Stress zuerst sichtbar wird
Beide Systeme schauen darauf, wo du aus der Balance gerätst:
- im Kopf → Nervosität, Schlafprobleme Ayurveda: Vata TCM: Shen‑Unruhe, Wind
- im Bauch → Hitze, Gereiztheit, Druck Ayurveda: Pitta TCM: Leber‑Qi‑Stagnation, Hitze
- im Körper → Schwere, Müdigkeit, Rückzug Ayurveda: Kapha TCM: Feuchtigkeit, Schleim
→ Deine Stressreaktion zeigt, wo du dich einordnen kannst.
4. Verdauung als Spiegel deiner Energie
Beide Systeme sagen: Wie du verdaut, so lebst du.
- starke Verdauung → klare Energie
- schwache Verdauung → Müdigkeit, Schwere, Gereiztheit
Ayurveda: Agni TCM: Mitte (Milz/Magen)
→ Wenn du spürst, dass Essen dich stärkt oder schwächt, bist du in beiden Systemen zuhause.
5. Natur als Medizin
Beide Traditionen nutzen:
- Wärme
- Kräuter
- Gewürze
- Atem
- Bewegung
- Rhythmus
- Rituale
→ Wenn du auf Wärme, Kräuter oder sanfte Bewegung reagierst, passt du in beide Systeme.
6. Jahreszeiten beeinflussen dich
Beide Systeme sehen dich im Rhythmus der Natur:
- Frühling → Aufbruch
- Sommer → Hitze
- Herbst → Trockenheit
- Winter → Rückzug
→ Wenn du dich je nach Jahreszeit anders fühlst, lebst du intuitiv nach beiden Systemen.
7. Beide Systeme helfen dir, dich selbst zu verstehen
Sie erklären:
- warum du Wärme liebst oder Kälte brauchst
- warum du schnell reagierst oder langsam ankommst
- warum du viel aushältst oder leicht aus der Balance gerätst
- warum du Ruhe suchst oder Bewegung brauchst
→ Ayurveda und TCM zeigen dir nicht, wer du sein sollst – sondern wer du bist.
Therapien, die wirken – seit Tausenden von Jahren
TCM
- arbeitet mit Meridianen (12 Hauptmeridiane + 8 außerordentliche Gefäße)
- und über 360 Akupunkturpunkten
- jeder Punkt hat eine spezifische Wirkung, Funktion und Tiefe
- Meridiane sind wie Energieflüsse, die den ganzen Körper durchziehen
Ayurveda
- arbeitet mit 7 Hauptchakren
- und hunderten von Nebenchakren (Upa‑Chakras)
- dazu kommen Nadis – feine Energiebahnen (traditionell 72.000)
- Chakren sind Energiezentren, Nadis sind Energiekanäle
→ Beide Systeme haben also ein dichtes Netz aus Energiepunkten und Energiebahnen. Sie nutzen nur unterschiedliche Modelle, um dasselbe Phänomen zu beschreiben: Energie, die fließen will.
Warum diese alten Systeme heute immernoch von Bedeutung sind
Sie haben Jahrtausende überdauert, weil sie etwas verstehen, das wir im modernen Alltag oft vergessen: Heilung ist Balance. Heilung ist Verbindung. Heilung ist Zuhören.
Ayurveda hilft bei Vata-Störungen wie Trockenheit und innerer Unruhe. TCM löst Qi-Blockaden und stockende Energie. Beide ergänzen sich – vielleicht gerade heute, wo das Leben selten stillsteht.
Akupunktur war für mich der Anfang. Ein Moment auf einer Liege, der mir zeigte, wie sich alles fügt: die Liebe zur Natur, die Naturkosmetik, das wachsende Verständnis, dass wir mit allem verbunden sind.
Der Körper: ein stiller Erzähler
Denn er kann so viel mehr, als nur schaffen, schlafen, essen und trinken.
Er kann wärmen und frieren, wehtun und heilen, Stress abbauen bei Bewegung und Freude empfinden beim Tanzen. Er fühlt sich wohlig im Wasser, Gänsehaut beim Lieben, findet Geborgenheit bei Nähe, Zufriedenheit beim Zuhören und Genuss beim Essen.
Und all das trägt er still und geduldig in sich – und wartet nur darauf, dass wir ihm endlich zuhören.
Und JA – natürlich ist das alles hier nur kurz zusammengefasst. Aber vielleicht reicht genau diese kleine Übersicht, um Lust zu bekommen, das Buch aufzuschlagen und tiefer einzutauchen...
Wann hat sich dein Körper das letzte Mal mit Freude bei dir gemeldet?
Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Huangdi_neijing , https://www.tula-wellness.co/a-survey-of-ancient-wisdom-of-life-ancient-indian-ayurveda-vs-tcm/ , https://religion-in-japan.univie.ac.at/Kamigraphie/Huangdi_neijing , https://www.dieweidingers.com/

