Wie das Leuchten für den Frieden entstand

In den letzten Jahren hatte ich immer öfter das Gefühl, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Man schaltet das Radio ein und hört im Halbstundentakt von Debatten, Streit, Gewalt, Krisen und Unfrieden. Von neuen Bestimmungen und Verteuerungen, von Wohnungsnot und Armut. Alles wirkt laut, angespannt und schwer. Gleichzeitig hetzen die meisten Menschen von Aufgabe zu Aufgabe, funktionieren, arbeiten, konsumieren und versuchen irgendwie, allem gerecht zu werden. Sie gönnen sich hier und da das kleine Glück: das Glas Wein am Abend, das Bier beim Essen, die neue Serie bei Netflix – und davor vielleicht noch einmal die Nachrichten. Wenn es richtig gut läuft, planen sie nebenbei schon den nächsten Urlaub. Und zwischendurch ein wenig Kultur, ein bisschen Club, ein bisschen Feiern.

Aber ich spüre in vielen Gesprächen etwas ganz anderes.

Die Menschen, denen ich begegne, sind nicht erfüllter durch noch mehr Besitz, noch mehr Spaß, noch mehr Erfolg. Sie suchen nach Auszeiten, nach Ruhe. Sicherheit. Zeit. Echtes Leben. Echtes Dasein. Zeit für das Wesentliche. Zeit für Freunde, Freude, Liebe. Zeit, ein Brot zu backen, um es mit ihren Nächsten zu genießen.

Vielleicht klingt das banal. Aber ich glaube, genau darin steckt das Gefühl, am Leben zu sein.

Den Kaugummi, den ich persönlich kaue, um Anspannung zu lösen, klebe ich gerne an den Zeiger der Uhr … sie möge sich ziehen, langsamer werden.

Die Schule meines Enkels hatte eine tolle Veranstaltung: Die Kinder sammelten Gläser, bemalten sie und stellten Kerzen hinein. Sie bildeten einen riesengroßen Kreis in Form des Peace-Zeichens, und es kamen viele Menschen zusammen – einige Hundert, hörte ich.

Dann hörte ich von einer Friedensaktion auf Rügen. Menschen standen dort mit Kerzen auf einem Marktplatz. Still. Friedlich. Einfach da. Tausend Menschen.

Dieses Bild ließ mich nicht mehr los. Was ich mir wünsche, ist, Frieden in uns selber zu finden.

Ich begann, nach ähnlichen Aktionen zu suchen, und stellte fest: Es gibt sie überall. Kleine Gruppen. Große Gruppen. Menschen, die zusammenkommen, Kerzen entzünden, singen oder einfach schweigend nebeneinanderstehen.

Und plötzlich musste ich an die Flower-Power-Zeit denken, an Woodstock und Co. Mich selbst betraf das nicht, aber meine älteren Geschwister – und in meiner Erinnerung war das beeindruckend. Da ging es nicht nur um Frieden. Es ging auch um Freiheit, Menschlichkeit, Gleichberechtigung und darum, wieder näher an einem echten Leben zu sein.

Heute scheint vieles fremdbestimmt. Selbst unser Gemüse hat Normen zu erfüllen. Alles soll effizient, passend und verwertbar sein.

Vielleicht sehnen sich deshalb so viele wieder nach Echtheit. Nach Menschen, die wie alles andere in der Natur einfach gekommen sind, um zu sein – miteinander, beieinander, füreinander. Nach Geben und Nehmen im Gleichgewicht. Nach weniger Druck. Nach mehr Wärme.

Der Gedanke, dass Frieden vielleicht das Einzige ist, das wirklich allen Wesen gerecht werden könnte, klingt für den einen oder anderen vielleicht kindisch, unrealistisch oder sogar unmöglich … heute vielleicht, ja. Aber alles fing einmal klein an – und wer hätte vor hundert Jahren gedacht, dass Menschen einmal zum Mond fliegen würden.

Ein bisschen Namaste: Mögen alle Wesen glücklich sein.

· · ·

Und so entstand langsam die Idee für das Friedensleuchten.

Erst nur als Gedanke für meine Kräuterfrauen – die Frauen, die immer wieder zu meinen Workshops kommen, mit denen ich über Kräuter, Natur und das Leben spreche. Frauen, die ähnlich fühlen und denken.

Aus fünf Menschen wurden zehn. Und irgendwann wurde aus einem Gedanken eine kleine Veranstaltung zur Sonnenwende.

Ich weiß nicht, ob daraus einmal etwas Großes wird. Aber ich bin sicher, dass der Wunsch nach Frieden lauter wird, im Kleinen wie im Großen.

Und vielleicht genügt manchmal schon allein das Aufstehen für etwas, das einem wirklich wichtig ist. Das Zusammenkommen. Im Licht stehen, gehalten von Menschen – mit einer einzigen Kerze. Musik, die verbindet, tröstet, übersetzt und hebt. Ein Brot, das geteilt wird. Und Menschen, die sich für einen Abend wieder verbunden fühlen.

Die ganze Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzelnen Kerze nicht löschen. – ich glaube, es stammt von Franz von Assisi

Still · Gemeinsam · Verbunden

NAMASTE

ZUM FRIEDENSLEUCHTEN

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