Immer wieder wird gefragt, was man mit dem Rückschnitt einer großen Thuja anfangen kann. Und oft drehen sich die Antworten nur um ihre Giftigkeit und angebliche Nutzlosigkeit. Ein großes GIFTIG! Bloß nicht anfassen, nichts draus machen, weg damit, nicht mal verbrennen.
Mich erstaunen dabei nicht die Warnungen, sondern wie unvollständig sie sind. Wie schnell eine Pflanze auf eine einzige Eigenschaft zusammenschrumpft. Und weil der Winter vor der Tür steht und in vielen Gärten gerade die Heckenschere läuft, möchte ich hier einmal ausführlicher ein bisschen Licht ins Grün bringen.
Ja, die Thuja ist giftig
Das will ich gar nicht kleinreden. Der Lebensbaum enthält in Zweigen und Zapfen ätherisches Öl mit Thujon, einem Nervengift. Im reinen ätherischen Öl macht es rund 50 bis 60 Prozent aus.
Wer Pflanzenteile verschluckt, bekommt Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Bei großen Mengen, vor allem als Tee oder Aufguss, können laut Bundesinstitut für Risikobewertung Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen sowie Leber- und Nierenschäden folgen. Deshalb gehört die Thuja nicht in Tee, nicht in selbstgerührte Salben und in keine Hausmittel.
Auch die Haut kann reagieren, besonders bei wiederholtem Kontakt. Kommt Pflanzensaft ins Auge, brennt es stark. Und für Tiere ist sie ebenfalls giftig, Hund, Katze, Kaninchen und Pferd sollten also nicht daran knabbern.
Aber seit wann heißt giftig denn, dass eine Pflanze nichts mehr wert ist? Fingerhut, Eibe, Maiglöckchen und Christrose stehen in unzähligen Gärten, und niemand würde sie deshalb auf den Sondermüll werfen.
Warum sie Lebensbaum heißt
Schon ihr Name erzählt eine Geschichte. Die Thuja bleibt das ganze Jahr grün und steht deshalb seit jeher für Lebenskraft und Beständigkeit. Vielleicht kennt ihr sie auch als Friedhofsbaum, gerade weil sie dort das Leben über den Winter hinaus trägt.
Der alte Name Arbor vitae, lateinisch für Lebensbaum, geht auf eine Überlieferung aus dem Jahr 1536 zurück. Damals sollen Ureinwohner im heutigen Kanada einer französischen Schiffsbesatzung gezeigt haben, wie sie mit diesem Baum den Skorbut überstehen konnte. Die Zweige sind tatsächlich reich an Vitamin C.
Die Thuja stammt ursprünglich aus Nordamerika. Bei den Ojibwe heißt sie Nookomis Giizhik, Großmutter Zeder. Sie gehört zu den vier heiligen Pflanzen ihres Medizinrads und wurde dort für Handwerk, Bau, Räucherungen und Heilkunde genutzt. Das zeigt mir, wie viel Respekt man einer Pflanze entgegenbringen kann, ohne ihre Giftigkeit zu verleugnen.
Ein Zuhause für Vögel und Krabbeltiere
Oft hört man, die Thuja sei ökologisch völlig wertlos. Ganz so ist es nicht.
Vögel verstecken sich in ihren dichten Zweigen, ruhen darin, bauen manchmal ihr Nest hinein oder legen dort Vorräte ab. Spinnen, Insekten und anderes kleines Krabbelvolk finden zwischen den Zweigen, an der faserigen Rinde und in der Streu darunter ein geschütztes Winterquartier. Und wenn draußen der kalte Ostwind pfeift, hält ihr immergrünes Geäst einiges davon ab.
Natürlich sind heimische Wildgehölze wie Schlehe, Weißdorn oder Wildrose für unsere Tierwelt wertvoller. Wer neu pflanzt, ist mit ihnen besser beraten. Aber eine Thuja, die schon seit Jahrzehnten im Garten steht, ist deshalb noch lange kein Unkraut.
Dieser Duft, wenn die Schere durch die Zweige geht
Ich liebe den Moment, wenn eine Thuja geschnitten wird. Dann steigt dieses würzige, harzige Grün auf, frisch und fast ein wenig zitronig, mit einem kampferartigen Unterton. Für mich riecht so der Winteranfang, nach Holz, nach kalten Händen und nach der Vorfreude auf Weihnachten. Hinterher duften sogar die Handschuhe noch danach.
In der Duftkunde und in der Geschichte der Pflanzenheilkunde hat die Thuja durchaus ihren Platz. Ihr Öl wird als herbe, holzig-grüne Note in Parfüms und in Reinigungsmitteln eingesetzt. Früher nutzte man es bei Rheuma, Gicht und Nervenschmerzen, und bis heute ist sie als äußerliches Mittel gegen Warzen bekannt, auch in der Homöopathie.
Das ätherische Öl selbst ist aber nichts für den Hausgebrauch. Wegen des hohen Thujongehalts ist es in der Parfümerie nur eingeschränkt erlaubt, und es hat ein hohes Allergiepotenzial. Bitte also nicht innerlich, nicht pur oder verdünnt auf die Haut und auch nicht in die Duftlampe. Fertigpräparate aus der Apotheke sind etwas anderes, dort ist die Dosierung genau festgelegt.
Ein Wort an alle Allergiker und Empfindlichen
Manche Menschen reagieren auf das ätherische Öl der Thuja mit Juckreiz, Rötungen oder Ausschlag, oft erst nach mehrmaligem Kontakt. Wenn ihr dazu neigt, hilft Folgendes:
- Beim Schneiden und Basteln Handschuhe und lange Ärmel tragen.
- Nicht ins Gesicht oder an die Augen fassen, solange ihr mit den Zweigen arbeitet.
- Frisch geschnittene Thuja lieber draußen verarbeiten als im warmen Wohnzimmer, dort verströmt sie ihren Duft besonders stark.
- Wer schon einmal heftig reagiert hat, lässt jemand anderen binden und genießt das Ergebnis vor der Haustür.
Und ganz wichtig: Legt die Zweige so ab, dass kleine Kinder und Haustiere nicht drankommen.
Was ihr aus dem Rückschnitt machen könnt
Zum Basteln und Dekorieren ist die Thuja wunderbar. Sie pikst nicht, sie nadelt kaum, bleibt lange grün und ist so biegsam, dass sie sich fast von selbst um einen Kranzrohling legt. Also Handschuhe an und raus in die Natur.
Kränze und Gestecke: Für Adventskranz und Türkranz lässt sie sich gut mit anderem Grün mischen, etwa mit Kiefer, Efeu oder Moos.
Girlanden für die Haustür: Zweige auf ein Seil oder einen Draht binden, ein paar Zapfen dazwischen, fertig ist der grüne Willkommensgruß.
Kleine Tannenbäumchen: Zweige in einen Topf mit feuchter Erde oder Sand stecken oder in Kegelform um einen Stab binden. Mit Lichterkette sehen sie im Vorgarten oder auf der Treppe zauberhaft aus.
Wichtel am Stock: Ein Ast als Körper, Thujazweige als Bart oder Mantel, eine Filzmütze obendrauf. Das ist auch was für einen Nachmittag mit den Kindern, solange die Handschuhe anbleiben.
Kübel und Laternen schmücken: Mit Zapfen, Hagebutten, Moos und ein paar Zweigen Thuja werden leere Sommerkübel zu kleinen Winterlandschaften.
Winterschutz im Beet: Locker über empfindliche Stauden, Rosen oder frisch gesetzte Pflanzen gelegt, halten die Zweige Frost, eisigen Wind und die Wintersonne ein Stück weit ab. Im Frühjahr einfach wieder abnehmen.

Und nach dem Winter? Verbrennen oder kompostieren
Wenn Kranz und Bäumchen ausgedient haben, dürft ihr die Thuja ganz entspannt verbrennen. Die ätherischen Öle verflüchtigen sich in der Hitze. Wichtig ist nur, dass Holz und Zweige gut getrocknet sind, sonst qualmt es stark. Für Feuer im Garten gelten natürlich die Regeln eurer Gemeinde.
Auch auf den Kompost darf sie, sie braucht dort nur ihre Zeit. Ähnlich wie Walnusslaub verrottet sie langsam, weil die Zweige harzig und zäh sind. Gebt sie am besten gehäckselt und in kleinen Mengen dazu, gut gemischt mit anderem Gartenmaterial. Ein bisschen Geduld gehört nun mal zum Kreislauf dazu. Große Mengen bringt ihr besser zur Grünschnittannahme.
Mein duftender Adventskranz ganz aus der Natur
Wie das bei mir aussieht? Jedes Jahr binde ich meine Adventskränze selbst. Letztes Jahr habe ich auf Wunsch für meine Familie und Freundin noch einen weiteren gebunden, und weil er so schön geworden ist, gleich noch einen für den Markt am Wochenende.
Verarbeitet habe ich Tanne, Thuja, Eukalyptus, Rosmarin, Orange, Anis und Zimt. Dazu kommen Teelichthalter in Rostoptik, wiederverwendbare Teelichter und ein kleines Naturholz-Set, das sich mit ein paar Tropfen ätherischer Öle herrlich beduften lässt.
Die Zweige und Kräuter sind natürlich vergänglich, so wie es die Natur eben will. Das Zubehör aber kann jedes Jahr wieder genutzt werden, beständig, schlicht und echt.
Genau diese Düfte der Natur sind meine warmen Erinnerungen an die Adventszeit. Das Duftende, das Vergehende … und das, was bleibt… zb. ein Evergreen 🙂

Zum Schluss
Ich wünsche mir, dass wir Pflanzen wieder als Ganzes anschauen. Gute Fachliteratur weiß so viel mehr als eine reißerische Überschrift. Eine Pflanze muss nicht essbar sein und nicht heilen, um ihren Platz zu haben. Manchmal ist sie einfach Lebensraum, Schutz und ein Stück Grün, an dem wir uns freuen dürfen.
Es wäre doch zu schade, all das duftende Grün einfach wegzuwerfen. Also Handschuhe an und raus in die Natur.

