
Knöpfe an Omas Fenster
So viele bunte Knöpfe – jeder hatte mal seinen Platz, und jetzt liegen sie sortiert nach Farbe und Größe in der alten Blechschachtel.
Oma würde eine wunderbare Idee direkt aus dem Nähkästchen holen: einen Zwirn, richtig fest und dick. „Wenn du ein festes Band hast, dann kannst du deine besten Dinge des Lebens miteinander verbinden. Und je schöner und lieber es ist, desto fester knoten wir.“
Sie würde mir den Zwirn mit den Worten in die Hand legen: „Dieser Faden hier steht für alles, das ganz schön und fest ist. So wie die Liebe. Und daran binden wir jetzt unsere schönsten Geschichten.“

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„Schau, die rosa Knöpfe – die nehmen wir für den ersten Kuss. Den grünen für das erste Bäumchen, das du gepflanzt hast. Ein gelber für die Sonne nach dem Regen.“
Jeder Knopf würde ganz genau betrachtet werden, während Oma weitererzählt: „Ein brauner für den Dackel namens Fritz. Die gestreiften für alles, was gut schmeckt – Omas Apfelkuchen, warmer Kakao, frisches Brot. Ein schwarz glänzender Knopf für den Mond und ein glitzernder für die Sterne.“

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Wir würden Knopf für Knopf auffädeln, und mit jedem würde eine Geschichte kommen. Der blaue von Opas altem Hemd. Der winzige weiße vom Taufkleid. Der große rote von meinem ersten Wintermantel.
Am Ende würde eine lange Kette vor uns liegen – bunt, ungleichmäßig, aber voller Leben. Oma würde sie hochhalten, und im Lampenlicht würden die Knöpfe glänzen wie kleine Erinnerungen auf einem Faden:

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„Siehst du? Alle diese Geschichten gehören zusammen. Jede für sich ist schön, aber zusammen auf dem festen Band – da werden sie zu deinem Leben.“
Sie würde mir die Kette um den Hals legen oder als Mobile an die Decke oder ans Fenster hängen und mir zuflüstern: „Wenn du mal vergisst, wie reich dein Leben ist, dann greif nach einem Knopf und erinnere dich.“