Die Frau hinter der Apotheke Gottes
Maria Treben (1907–1991) hat das Wissen um die heimischen Heilkräuter einer ganzen Generation zurückgegeben. Ihr Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ wurde millionenfach verkauft und in Dutzende Sprachen übersetzt. Bis heute steht es in vielen Küchenregalen, oft zerlesen und mit Zetteln gespickt.
Ihr Weg
Geboren wurde sie 1907 in Saaz in Böhmen, damals Österreich-Ungarn. Sie wuchs in einer Zeit auf, in der Hausmittel selbstverständlich waren und jede Familie ihre Kräuter kannte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mit den Sudetendeutschen vertrieben und kam nach Oberösterreich. In den Flüchtlingslagern erkrankte sie schwer an Typhus. Die Genesung zog sich über Jahre hin, und in dieser Zeit begann ihre eigentliche Arbeit mit den Pflanzen – aus Not, nicht aus Interesse. Was sie über die Jahre sammelte, stammte aus der Volksmedizin, aus Gesprächen mit alten Leuten und aus dem, was sie an sich selbst und an anderen beobachtete.
Sie war keine Ärztin und hatte keine medizinische Ausbildung. Als ihr Buch 1980 erschien, brachte ihr das heftigen Widerstand der Ärzteschaft ein. Es gab Anzeigen, Verfahren und öffentliche Auseinandersetzungen. Sie hielt daran fest, dass die Natur bereithält, was der Mensch für seine Gesundheit braucht, und dass dieses Wissen allen gehört.
Ihr wohl bekanntestes Erbe sind die Schwedenkräuter. Die Rezeptur geht auf ein altes Rezept zurück, das dem schwedischen Arzt Dr. Samst zugeschrieben wird. Maria Treben hat es wiederentdeckt und einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Die Zusammensetzung der Schwedenkräuter
Die Schwedenkräuter sind eine Mischung aus verschiedenen Heilkräutern und bitteren Pflanzenteilen, die in Alkohol angesetzt werden. Die genaue Zusammensetzung variiert; die klassische Mischung enthält:
- Aloe (alternativ Enzianwurzel oder Wermut): wirkt abführend, gilt in der Volksmedizin als reinigend für den Magen-Darm-Trakt.
- Myrrhe: das Harz wurde schon in der Antike als Heilmittel verwendet, überliefert sind antiseptische und entzündungshemmende Eigenschaften.
- Safran: gilt als stimmungsaufhellend und verdauungsfördernd.
- Sennesblätter: stark abführend, regen die Darmbewegung an.
- Rhabarberwurzel: fördert die Verdauung und wirkt leicht abführend.
- Zittwerwurzel (ein Ingwergewächs): traditionell verdauungsfördernd und krampflösend.
- Kampfer: durchblutungsfördernd und wärmend. Innerlich nur in sehr kleinen Mengen, Kampfer ist stark wirksam und bei Überdosierung giftig.
- Angelikawurzel: gilt als stärkend für den Magen und hilfreich bei Appetitlosigkeit.
- Theriak venezian: eine historische Kräuter- und Gewürzmischung, die früher als Universalheilmittel galt.
Die Kräuter werden in hochprozentigem Alkohol angesetzt, damit sich die Inhaltsstoffe lösen und die Mischung haltbar wird. Der so entstehende Schwedenbitter kann innerlich und äußerlich verwendet werden.
Was Maria Treben überliefert hat
In der Volksmedizin gelten die Schwedenkräuter als Mittel für vieles. Maria Treben empfahl sie unter anderem bei:
- Verdauungsbeschwerden: Die Bitterstoffe regen Magensäure und Verdauungsenzyme an. Das ist der Kern der Mischung und der am besten nachvollziehbare Teil ihrer Wirkung.
- Reinigung und Entgiftung: Die kräftigen Bitterstoffe unterstützen Leber und Galle.
- Appetitlosigkeit: Bitteres regt den Appetit an, ein altes Prinzip der Kräuterkunde.
- Äußerlichen Beschwerden: Bei Prellungen, Verstauchungen und Insektenstichen wurden Umschläge aufgelegt.
- Kleinen Wunden und Hautirritationen: Auch hier äußerlich, zur Unterstützung der Heilung.
Darüber hinaus finden sich in der Überlieferung Anwendungen bei Kopfschmerzen und zur Stärkung der Abwehrkräfte. Diese Angaben stammen aus der Volksmedizin und aus Erfahrungsberichten, nicht aus wissenschaftlichen Untersuchungen.
Viele Menschen haben den Schwedenbitter über Jahrzehnte als Hausmittel benutzt, besonders bei schwerem Essen und in der kalten Jahreszeit.
Anwendung und Vorsicht
Innerlich empfahl Maria Treben ein bis zwei Teelöffel in Wasser oder Tee, vorzugsweise vor den Mahlzeiten. Der bittere Geschmack gehört dazu – er ist es, der die Verdauung in Gang bringt. Die Bitterrezeptoren auf der Zunge lösen den Reflex aus, der Speichel fließt, der Magen bereitet sich vor. Wer den Bitterstoff wegsüßt, nimmt dem Mittel seinen Anfang. Also langsam trinken. In etwas warmem Wasser verdünnt geht es leichter als pur, und man gewöhnt sich daran, oft schneller als gedacht.
Äußerlich werden die Tropfen auf ein Tuch gegeben und aufgelegt. Solche Umschläge sollten je nach Hautempfindlichkeit fünfzehn bis sechzig Minuten einwirken, danach die Stelle gut pflegen, damit sie nicht austrocknet.
Ein paar Dinge sind wichtig: Wegen des Alkoholgehalts ist die Mischung für Menschen ungeeignet, die auf Alkohol verzichten müssen. Schwangere und Stillende sollten sie nicht einnehmen. Für Kinder ist sie nicht gedacht. Sennesblätter und Aloe wirken kräftig abführend und sollten nicht über längere Zeit eingenommen werden, da sich der Darm daran gewöhnt. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, klärt die Einnahme besser vorher ab.
Das ist keine Kleinigkeit am Rande – ein Mittel, das so stark wirkt, verdient Respekt.
Die Essenz
Maria Treben war eine Frau, die aus eigener Krankheit heraus zu den Kräutern kam und daraus ein Lebenswerk machte. Ohne Titel, ohne Institution, gegen erheblichen Widerstand. Was sie zusammengetragen hat, ist gesammelte Volksmedizin – altes Wissen, weitergegeben von Menschen, die es an sich selbst erprobt hatten.
Ihre Botschaft war einfach: dass die Heilmittel oft direkt vor der Haustür wachsen und dass man selbst etwas für seine Gesundheit tun kann. Diese Haltung hat sie an sehr viele Menschen weitergegeben, und sie wirkt bis heute nach.

